Präsidium hält an Adolf Messer fest – Ignoranz der Geschichte

In einer am Mittwoch im Senat verlesenen Erklärung [1] zeigt das Präsidium der Goethe-Universität ein problematisches Geschichtsverständnis. Trotz Aufforderungen des gesamten Senats der Universität, der zuständigen Senatskommission, der jüdischen Gemeinde Hessens und von Landtagsabgeordneten nahezu aller Fraktionen hält das Präsidium an der Benennung der “Adolf-Messer-Stiftung Lounge” am Campus Riedberg fest. Dabei wird der Name lediglich um den Zusatz “Diskursraum – Wissenschaft in Geschichte und Gesellschaft” ergänzt.

“Der Namenszusatz ist an Absurdheit kaum zu überbieten. Für einen ernsthaften Diskurs über Wissenschaft, Geschichte und Gesellschaft ist das festhalten an der Raumbenennung nach einem NSDAP-Mitglied nicht förderlich, sondern schädlich. Das Argument, die Adolf-Messer-Stiftung habe nichts mit Adolf Messer zu tun, wird spätestens durch einen Blick auf die Homepage der Stiftung entlarvt. Zu Recht rief dieses Argument bei einer öffentlichen Podiumsdiskussion zum Thema am 4.7. nur Kopfschütteln und fassunsloses Lachen im Publikum hervor. Die Position der Universitätsöffentlichkeit zum Thema ist klar: Das Präsidium stellt sich mit seiner ignoranten Entscheidung gegen die Universität.”

„Mit Archivarbeit und einer umfangreich vorbereiteten fachlichen Diskussion konnten wir die Gremien und die Öffentlichkeit davon überzeugen, dass eine Umbenennung des Raums dringend nötig ist. Dass das Präsidium diesen Diskurs ignoriert, ist außerordentlich bedauerlich. In der Erklärung wird zudem die Raumbenennung nach einem NSDAP-Mitglied als aufklärerische Tat verklärt. Der Raum am Campus Riedberg ist allerdings kein Gedenkort an die Opfer, sondern ein Raum, der nach einem NS-Täter benannt ist. Dies werden wir auch in den kommenden Monaten herausstellen, bis der unhaltbare Zustand historischer Ignoranz an der Goethe-Universität abgestellt ist.“

„Aus den öffentlichen Äußerungen Stefan Messers entsteht der dringende Verdacht, dass die Stiftung massiven Einfluss auf autonom zu treffende Entscheidungen der Goethe-Universität genommen hat. Im Senat wurde uns beispielsweise berichtet, dass eine Stiftungspreisvergabe aufgrund der Namensänderung gefährdet ist. Deshalb haben wir im Mai die für die Einhaltung des Stifterkodex zuständige Kommission angerufen.“